Corona: Arbeitsrecht, Solidarität, Krankschreibung for future

Corona, Corona, Corona – dieses dominante Thema geht natürlich auch an uns nicht vorbei. Wir wollen hier jedoch weder die 100. Belehrung zum Händewaschen noch panische Stimmung verbreiten aber im Sinne der viel besprochenen solidarischen Nachbar_innenschaft wollen wir trotzdem ein paar Worte dazu verlieren.

In Dresden gibt es nun die ersten Fälle, in denen Menschen in häuslicher Quarantäne sind. Auch viele Menschen die zu sogenannten Risikogruppen (Ü50, U18, Vorerkrankte) gehören, sind in ihrer Teilnahme am öffentlichen Leben eingeschränkt, Veranstaltungen werden teilweise abgesagt, weitere Einschränkungen sind möglich. An diesen Stellen ist es wichtig, nachbarschaftliche Hilfe zu leisten.

Wir möchten euch dazu anregen, den Austausch mit euren Nachbar_innen zu suchen. Natürlich nicht um panische Stimmung zu verbreiten, sondern um zu schauen, wer vielleicht jetzt schon Hilfe und Unterstützung braucht und um den Ellbogen und der egoistischen Hamsterkauf-Mentalität praktische Solidarität entgegenzusetzen.

Themen und Fragen für eine Austausch in der Hausgemeinschaft oder anderen sozialen Kontexten könnten sein:

  • Wer kann aus bestimmten Gründen wichtige Dinge (einkaufen o.ä) nur noch eingeschränkt bis gar nicht mehr erledigen und benötigt Unterstützung?
  • Wer braucht für den Fall, dass Kindergärten/Schulen geschlossen werden Unterstützung bei Kinderbetreuung?
  • Für wen bedeutet die aktuelle Situation Verluste von Einnahmen und Erwerbsarbeit die nicht alleine abfederbar sind?
  • Wie können solche finanziellen Herausforderungen gemeinsam gelöst werden? (für Menschen mit wenig Kohle wird es wie so oft besonders schnell schwierig)
  • Wer kann welche Unterstützung anbieten?

Je nach beruflicher Situation ist die aktuelle Lage auch eine gute Gelegenheit, mal entspannt krank zu machen und sich Zeit zu nehmen für andere schöne und wichtige Dinge:

Ab dem 09. März gilt für 4 Wochen folgende Regel: „Patient_innen mit leichten Erkrankungen der oberen Atemwege können nach telefonischer Rücksprache mit ihrem Arzt/ ihrer Ärztin eine Bescheinigung auf Arbeitsunfähigkeit (AU) bis maximal sieben Tage ausgestellt bekommen“ Mehr Infos: https://www.kbv.de/html/2020_44754.php  Hierfür ist es allerdings von Vorteil wenn eure Krankenkassenkarte in diesem Quartal schon einmal in der Hausärzt_innenraxis eingelesen wurde. Krankschreibungen gibt es außerdem auch online.

Wenn ihr selbstständig seit und in Quarantäne müsst, werdet ihr ggf bei den Ausfällen durch das Infektionsschutzgesetz unterstützt, hier weitere Infos: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsrecht-corona-101.html

Wenn eure Kinder krank sind/ Kita oder Schule schließen habt ihr trotzdem Anspruch auf Lohn: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsrecht-corona-101.html

Die nächsten Monate könnten für viele von uns sehr turbulent werden. Wer im größeren Rahmen Hilfe leisten will oder Hilfe braucht, dem sei an dieser Stelle noch die Mitgliedschaft in der Basisgewerkschaft FAU empfohlen. Diese bietet ein breites Netzwerk für Solidarität auch in den Bereichen Rechtsbeistand, Bewältigung von Hausarbeiten, finanzielle Solidarität (durch Arbeitskampfkassen, gegenseitige Direktkredite), Fallbetreuung.

Am 24.04. ist übrigens wieder ein großer globaler Streiktag von FFF. Spätestens da ist das mit dem unbürokratischen Krankschreibenlassen für einige nochmal eine gute Gelegenheit, dort mit geringen arbeitsrechtlichen Gefahren dem Streikaufruf nachzukommen…

Die derzeitige Entwicklung trifft Menschen sehr unterschiedlich. So verschärfen sich aktuell diverse gesellschaftliche Ausgrenzungsmuster auf allen Ebenen weiter. Um den Blick dafür noch etwas zu schärfen hier noch ein paar social media  Empfehlungen:

https://twitter.com/MikaMurstein
#ichbinkeinvirus
#nachbarschaftschallenge
https://taz.de/Coronavirus-und-Rassismus/!5662444/
https://www.deutschlandfunkkultur.de/coronavirus-und-rassismus-wenn-andere-sich-ploetzlich.2156.de.html?dram:article_id=469253
https://justpaste.it/ruhevordemsturm
https://revoltmag.org/articles/viraler-kapitalismus/

Wichtig ist uns auch daran zu denken, dass die aktuelle Belastung von medizinischer Infrastruktur in anderen Regionen und Situation weitaus größere Folgen hat als hier. Daher möchten wir an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass andere wichtige politische Themen neben Corona untergehen und möchten euch daher nochmal den Spendenaufruf des kurdischen Halbmonds ans Herz legen:
https://www.heyvasor.com/de/alikari/

nachbarschaftliche Grüße

einige Mitglieder der FAU in Löbtau und antifaschistische Initiative Löbtau