Erwerbslosigkeit

Erwerbslosigkeit kann jede_n treffen – und oft genug trifft sie uns hart: Schulden, Zukunftsangst, Sinnkrisen. Das muss nicht sein! Egal ob du schnell wieder in einen Job willst oder ob dir deine Lebensenergie zu schade ist, um dich für den Profit anderer Leute kaputt zu machen: Wir suchen als Gemeinschaft nach den passenden Lösungen.

Auch ohne Mitgliedschaft – erzähl uns vom Amt!

Um effektiv helfen zu können, sind wir auf die Erfahrungen von vielen Menschen mit den einzelnen Teams und Sachbearbeiter_innen, aber auch mit den Strategien des Jobcenters insgesamt angewiesen. Hilf dir und anderen und schreib uns nach Terminen kurz deine Erlebnisse: Bei welchem Team und welcher_m Sachbearbeiter_in warst du? Wie haben sie auf deine Situation reagiert? Bei was hatten sie (Un-)Verständnis? Wie sieht deine Eingliederungsvereinbarung aus (Bewerbungsanzahl etc.)? Für was hast du Sanktionen kassiert? Deine Informationen helfen uns, Begleitungen gut vorzubereiten und mit Betroffenen (also potentiell auch dir!) optimale Strategien auszuarbeiten.

Mitglied werden – You’ll never walk alone!

Wir sind eine Ehrenamtsstruktur und ein Zusammenschluss, der sich finanziell und praktisch unterstützt. Reine Dienstleistungen gibt es bei uns daher i. d. R. nicht – Solidarität ist keine Einbahnstraße. Gerne verweisen wir dich auf Anfrage aber trotzdem an Erwerbslosenberatungen unseres Vertrauens und teilen dir unsere Erfahrungen mit einzelnen Teams mit.

Wer sich als Mitglied engagiert und damit mehr Verbindlichkeit wagt, wird jedoch schnell sehen, dass es sich lohnt. Als Gewerkschafter_innen versuchen wir uns gemeinsam zu beraten, Strategien für den Zeitraum der Erwerbslosigkeit gemeinsam zu finden, ggf. nach erträglichen Jobs und Ausbildungen zu suchen und uns miese Jobs und Lohndumping vom Hals zu halten.

Das schließt auch die gemeinsame Begleitung zum Amt, die Abwehr von Eingliederungsvereinbarungen, die Klage gegen Sanktionen und praktische, finanzielle Solidarität ein.

Ausblick – Gemeinsam gegen Sanktionen und Lohndumping

Die Angst vor der Erwerbslosigkeit, vor Sanktionen, Bevormundung und Fremdbestimmung treibt uns immer wieder in lausig bezahlte, aber wenigstens selbstgewählte Dumpingjobs. Die Angst vor dem Jobcenter lässt uns auch stillhalten, wenn es im Betrieb schlecht läuft, wir keinen Respekt erhalten oder gesetzliche Standards unterlaufen werden. Gleichzeitig vermittelt das Jobcenter an Zeitarbeits- und Dumpingfirmen, bei denen sich sonst wohl kaum jemand freiwillig melden würde. Das Sanktionssystem abzuschaffen sollte damit ganz pragmatisch im Interesse aller Lohnabhängigen sein, weil es zur kontinuierlichen Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse maßgeblich beiträgt.

Daneben lehnen wir die Idee, Menschen in bitterster Armut und Sorge zu halten und ihnen gar noch das Existenzminimum zu entziehen, grundsätzlich ab. Es gibt gute Gründe, nicht gegen Lohn arbeiten zu wollen, z. B. weil die Tätigkeiten, die uns wichtig sind, und wo wir gebraucht werden, nicht bezahlt werden oder aus der Profitlogik heraus auch gar nicht aus finanzierbar wären. Beispiele sind hier u. a. im sozialen, pädagogischen und kulturellen Bereich zuhauf zu finden. Vielleicht lehnen wir es auch aus ethischen Gründen ab, uns für die globale Profitlogik zu verschwenden. Ein großer Teil der heute geleisteten Arbeit ist überflüssig, Beschäftigungstherapie, Arbeitssuche aus Prinzip, nicht aus gesellschaftlicher Notwendigkeit heraus. Global gesehen wird ein immer größerer Prozentsatz der Menschheit als Arbeitskraft durch fortschreitende Industrialisierung und Digitalisierung überflüssig. Heute bestimmt der Preis der Ware Arbeitskraft und die Notwendigkeit von Profiten, was, wie und wie haltbar produziert und geleistet wird. Mit der Menge und Art von Tätigkeiten, die eine globale Gesellschaft tatsächlich bräuchte, um gut und nachhaltig zu leben, hat das nicht zu tun.

Wer die Lohnarbeit verweigert ist daher für uns kein Feind der Gesellschaft, sondern lediglich ein Mensch, der den Wert sein Lebenszeit erkennt und eine respektable Konsequenz daraus zieht. Feinde der Gesellschaft sind dagegen diejenigen, die den größten Teil der Weltbevölkerung per Festhalten an einem überkommenen Wirtschaftssystem zu Arbeit zwingen wollen, die niemandem gut tut und uns und den Planeten zerstört.

[ssba]