Sich wehren lohnt sich! Über 3100,- im Konflikt mit TagZwei erstritten

Im Konflikt mit der TagZwei-Bäckerei haben wir nach einer Kundgebung und Informationskampagnen unter Minijobber_innen in der Neustadt nun den Unternehmer J. Zscheile zum Einlenken bewogen. Beim Gütetermin vor der III. Kammer des Dresdner Arbeitsgerichtes stimmte er am Freitag einem Vergleich in unserem Sinne zu: Die gekündigte Kollegin erhält 3100,- € Abfindung und Lohnnachzahlung, die fristlose Kündigung wurde in eine ordentliche Kündigung umgewandelt, die Kollegin erhält ein wohlwollendes Arbeitszeugnis.

Dieser Fall zeigt einmal mehr: Sich wehren lohnt sich – und das nicht nur (aber auch!) zur Verteidigung der eigenen Würde, sondern eben auch finanziell. Zscheile gab an, dass u.a. die Kundgebung, die Informationskampagne und die daraufhin ausbleibenden Kund_innenbesuche ausschlaggebend für seinen Willen zur Einigung waren. Ökonomischer Druck bleibt in den Betrieben wie in politischen Fragen eben unsere stärkste Waffe. Wir danken an dieser Stelle allen solidarischen Anwohner_innen, die ihre Brötchen in dieser Zeit lieber woanders gekauft haben. Was leider aktuell noch nicht behoben ist, ist die Unterschlagung von Urlaubsentgelt für die restlichen Beschäftigten; es ist damit nicht ausgeschlossen, dass der Arbeitskonflikt früher oder später noch einmal ausbricht. Sollte Zscheile auch hier zur Besinnung kommen und aus der Sache etwas gelernt haben, informieren wir euch hier auf der Website. So könnt ihr weiterhin eure Kaufentscheidung von der Einhaltung rechtlicher Standards abhängig machen. Allerdings wäre auch interessant, ob es in anderen Bäckereien nicht ähnliche Missstände gibt – nachfragen schadet ja nicht, ob die Mitarbeiterin eigentlich Urlaubsgeld bekommt.

Wir freuen uns über weitere Kolleg_innen die den Mut finden Mitglied zu werden und mit uns zu kämpfen. Bis dahin bzw. immer: Dokumentiert eure Arbeitsstunden gut, regelt Konflikte wann immer möglich innerhalb der Belegschaft/ ohne den_die Chef_in, haltet zusammen, kommt spätestens bei Kündigung zu uns. Um so früher ihr euch in Gewerkschaften organisiert, desto besser wisst ihr um eure Rechte und die gewerkschaftlichen Möglichkeiten, und desto besser könnt ihr euch selbst und anderen im Konfliktfall helfen.

Arbeitskonflikt in TagZwei-Bäckerei: Standards einhalten – Gegen Arbeitsbedingungen von vorgestern

 

Aktuell befinden wir uns in einem Arbeitskonflikt mit dem Chef der TagZwei-Bäckerei auf der Kamenzer Straße. Das Unternehmen vertreibt Backwaren anderer Bäckereien vom Vortag, um der Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken. Eigentlich ein schönes Konzept. Leider sind auch die arbeitsrechtlichen Auffassungen des Chefs von Vorgestern. Die FAU Dresden fordert die Auszahlung ausstehender Löhne, die Auszahlung von Urlaubsentgelt und die Rücknahme eine illegalen Kündigung für eine Beschäftigte. Wir raten Kund_innen zu überlegen, ob sie während der Dauer des Arbeitskonfliktes wirklich die Bäckerei aufsuchen wollen und bitten um rege Teilnahme an der Protestkundgebung am 24. Juli um 15 Uhr auf der Kamenzer Straße 42b (vor dem Laden). Außerdem freuen wir uns über solidarische Begleitung der Güteverhandlung am 31. Juli um 10:45 Uhr vorm Arbeitsgericht Dresden, Hans-Oster-Straße 4. Weiter lesen „Arbeitskonflikt in TagZwei-Bäckerei: Standards einhalten – Gegen Arbeitsbedingungen von vorgestern“

Arbeit und Geschlecht in der Krise: Who cares? Who strikes? (Vortrag/Diskussion an der EHS am 21.07.)

Warum sind Care-Berufe im Vergleich so schlecht bezahlt? Warum werden viele Sorge-, Pflege- und Kümmer-Arbeiten überhaupt nicht bezahlt, oder auch nur gesehen? Was bedeutet es, wenn manche dieser Berufe in der Krise als ‘systemrelevante’ etwas mehr gesehen werden? Wer kümmert sich im patriarchalen, rassistischen Kapitalismus überhaupt um wen? Wie kommen wir vom Beklatschtwerden zu wirklicher, auch ökonomischer Anerkennung? Warum ist Gewerkschaft so unattraktiv und Streiken so schwierig? Wie lassen sich grundsätzliche Veränderungen in den Sorge-Verhältnissen erstreiten?

Weil wir’s nicht oft genug sagen können: Leute, lasst euch nicht verarschen!

Manche Dinge müssen wir einfach immer wieder gebetsmühlenartig wiederholen: Es gibt grundlegende Arbeitsrechte – und die gelten auch in Minijobs.
Während unserer gewerkschaftlichen Beratung hören wir immer wieder Geschichten von haarsträubenden Arbeitsbedingungen oder absurden Arbeitsvertragsklauseln. Nur weil dein Chef etwas behauptet, heißt das noch lange nicht, dass das auch stimmt.

Konkret führen wir gerade einen Arbeitskampf gegen eine Bäckerei in der Neustadt. Unsere Kollegin wurde fristlos entlassen – ohne dass ein Grund erkennbar war. Diesen Rausschmiss lässt sie nicht auf sich sitzen, und zusammen haben wir unter anderem Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht eingereicht. Der Gütetemin findet am 31. Juli 2020 statt. Kündigungen sind in vielen Fällen fehlerhaft und damit unwirksam. Außerdem werden häufig nicht der komplette Lohn und etwaige weitere Ansprüche, wie zum Beispiel Urlaubsentgelt, ausgezahlt. Auch wenn Chefs glauben, sie könnten machen, was sie wollen, lässt sich oft dagegen vorgehen. Deswegen: Kennt eure Rechte!

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Nachruf: Werner, du fehlst

Unser Freund Werner ist gestorben. Am Mittwoch, den 17.06.2020, um 10:00 Uhr findet im Urnenhain Tolkewitz, Wehlener Straße 15, Dresden, seine Beerdigung statt.



Wir können nur noch über Werner sprechen, nicht mehr mit ihm. Das fühlt sich falsch an, denn Werner war ein Mensch, dem wir immer alles ins Gesicht sagen konnten. 

Werner hat uns über Jahre begleitet, war immer da. Wer in Dresden auf linken Demonstrationen oder Veranstaltungen der letzten fast 20 Jahre war, kannte ihn – zumindest vom Sehen. Die FAU kannte er, im Gegensatz zu den meisten von uns, schon aus DDR-Zeiten. Bei der Neugründung in Dresden 2011 stand er sofort solidarisch an unserer Seite, hat uns mit Fragen immer wieder gefordert und angespornt.

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Leere Häuser bewohnen und beleben, nicht Besetzer:innen bestrafen! Solidarität im Putzi-Prozess

In der Corona-Krise können immer mehr Menschen ihre Miete nicht zahlen. Wer schon vor Corona auf der Straße leben musste, oder wer sich in seiner Wohnung nicht sicher fühlen kann, sah sich konfrontiert mit der zynischen Aufforderung, zu Hause zu bleiben, um sich und andere zu schützen. Eigentlich sollte spätestens das die Augen dafür öffnen, wie absurd die Wohnungsfrage von einer kapitalistischen Wirtschaft beantwortet wird. Hotels, Ferienwohnungen, Airbnb-Appartements und Häuser stehen leer, während Geflüchtete in Lagern und Unterkünften zusammengepfercht leben müssen, andere ungeschützt auf der Straße. Auch Räume für diverse kulturelle Aktivitäten fehlen oft, doch Platz für ein Parkhaus findet sich immer noch irgendwie.
Nun gibt es einige Leute, auch genannt „Tiere“, die aus all diesen Absurditäten den Schluss ziehen, in leere und ungenutzte Häuser einzuziehen, sie zu bewohnen und zu beleben. Das geschah zum Beispiel im Januar diesen Jahres in der „Putzi“ in der Königsbrücker Straße. Viele fanden das super, doch nicht alle. Nach vier Tagen räumte die Polizei die Gebäude. In der Folge erhielten einige Beteiligte Strafbefehle wegen Hausfriedensbruchs und gemeinschaftlicher Sachbeschädigung. Gedroht wird auch mit hohen Geldstrafen. Auch Mitglieder der FAU Dresden sind davon betroffen. Weiter lesen „Leere Häuser bewohnen und beleben, nicht Besetzer:innen bestrafen! Solidarität im Putzi-Prozess“

PREKARITÄT, KUNST UND CORONA / EIN STATEMENT + FÜNF GRAFIKEN / VON CINDYCAT

Es war einmal, da gab es bei uns in der FAU Dresden eine Branchengruppe Kunst / Kultur. Sie nannte sich CindyCat. Bekannt ist sie euch vielleicht als Einladende zu Vernetzungs-treffen, als Mitdiskutantin auf Veranstaltungen, als Herausgeberin von Kunstarbeiter-Fragebögen oder Selbsttests wie aus der Bravo (dt./engl.).
Als sich einige der Beteiligten in verschiedene Städte und Länder verstreuten, löste sich die Gruppe auf. Schade für die FAU Dresden. Weiterhin arbeiten einige unserer Mitglieder im Kunst- oder Kulturbereich, aber bislang hat sich noch keine neue Branchengruppe gebildet. Warum eigentlich nicht? Weil wir Anarchist:innen sind und deshalb nichts von oben oder für andere beschlossen wird. Dinge passieren nur, wenn Leute von unten damit anfangen. Wenn ihr euch als Kulturarbeiter:innen gewerkschaftlich organisieren wollt, stellen wir gern unsere Strukturen und Ressourcen zur Verfügung.
Zurück zu CindyCat. Die Dresdner K&K Branchengruppe hat sich als solche zwar aufgelöst, aber ein paar Beteiligte sind weiterhin international miteinander in Kontakt und agieren unter Umständen auch gemeinsam. Beispielsweise riefen sie am 8.März 2019 unter dem Titel „No more devotion!“ zum Künstlerinnen*-Streik auf. Nun, geschädigt von den Auswirkungen der Corona-Pandemie, konnten sie sich auch wieder nicht zurückhalten. Es entstanden ein Pamphlet und fünf Grafiken, letztere in Kooperation mit der „Abteilung Handlungspotential“. Ihr könnt das Ganze entweder als Broschüre ausdrucken und irgendwo hinhängen, oder es online verteilen. Auf Wunsch der Katze stellen wir es euch auch auf unserer Seite zur Verfügung. Es handelt auch, aber nicht nur, von armen Künstler:innen. CindyCat lässt sich nicht mit Grundeinkommen abspeisen, sie ist utopisch drauf! Auffällig sind die vielen SystemreleWanzen.
Dateien zum Download: Broschüre dt. / Seiten dt. / brochure engl. / pages engl.

 

 

Unterstützt den Streik der Feldarbeiter_innen in Bornheim!

Quelle: Die Plattform Deutschland

Seit Freitag, dem 15. Mai 2020 befinden sich auf dem insolventen Hof Spargel Ritter in Bornheim bei Bonn weit über 100 Erntehelfer_innen im Arbeitskampf. Es geht neben ausstehenden Löhnen auch um die Unterbringung in unbeheizten Containern und unvollständige fehlende Schutzausrüstung gegen die Corona-Pandemie, unzumutbare sanitäre Zustände. Die FAU Bonn unterstützt die Kolleg_innen aktiv ihren Kampf. Am 18. Mai fanden sich mehrere hundert Unterstützer_innen an den Unterkünften ein. Am 19. Mai zogen Arbeiter_innen und Unterstützer_innen in Bonn zur Insolvenzverwaltung und zum rumänischen Konsulat. Der Streik braucht vielfältige Unterstützung.

Hintergrund-Artikel:  Direkte Aktion, Interview mit Radio Corax Halle

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Update Corona: Arbeitsrecht, Nachbarschaftshilfe, politisches

Wird laufend aktualisiert, letztes Update: 20. April, 13 Uhr

Inhalt: 1. Arbeitsrecht & Corona | 2. Erwerbslosigkeit & Corona | 3. Beratungen und Dienste der FAU Dresden während Corona | 4. Übersicht von Nachbarschaftshilfe in Dresden | 5. Übersicht von Hilfsfonds für Beschäftigte & Soloselbstständige | 6. Beratungsnummern und Hilfsstellen (u.a. häusliche Gewalt) 7. Corona und Polizeistaat | 8. weiteres Interessantes

Arbeitsrecht und Corona, Krankschreibungen

Auf der Seite der Bundes-FAU findet ihr aktuell Sammlungen zu Regelungen bzgl. Arbeitsrecht, Recht für Soloselbstständige und vieles mehr. Aktuell ist manches aufgrund der dynamischen Lage noch etwas unsortiert oder gedoppelt – das wird sicher in den nächsten Tagen besser. Sollten Fragen unbeantwortet bleiben, stellt sie uns gerne, wir suchen eine Antwort und nehmen die Fragen mit auf.

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Füllt die Streikkasse: Migrantischer (Hunger-)Streik in Valencia geht in die 8. Woche

Seit dem 25. Februar sind die Arbeiter_innen der Fabrik von Productos Florida SA in Almassora, Valencia (Spanien) im unbefristeten Streik. Die Hauptforderung der Belegschaft ist, dass alle scheinselbstständigen Arbeiter_innen sofort reguläre Arbeitsverträge erhalten – und damit grundsätzliche und eigentlich selbstverständliche Arbeiter_innenrechte.

Die Streikenden errichteten ein Streik-Camp vor den Toren der Fabrik, einige Teile der Belegschaft gingen sogar in den Hungerstreik. Die Belegschaft organisierte Kundgebungen und Demonstrationen, u.a. auch in Barcelona (Sitz des Mutterkonzerns, der Servicarne Cooperative) und Madrid (Sitz des Arbeitsministeriums).

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